Ich. Literarisch, emotional, echt.

Frank

Unser Podcast. So lange haben wir noch nie von Aufnahme zu Veröffentlichung gebraucht. Aber wir stehen ja noch ganz am Anfang mit unserem Format. Wir finden uns noch. Mit der Zeit wird das sicher einfacher. Frank und Björn haben wir aufgenommen beim letzten Mal. @Hyp3rfux und @NikSput. Sonntag Abend sollte ich den Link bekommen, um die geschnittene Version gegen zu hören. Gestern hätten wir veröffentlichen können.

Wir haben nicht veröffentlicht. Frank ist nicht mehr da. Frank ist der, von dem sie seit zwei Tagen alle reden.

Wenn ihr vor zwei Tagen seinen Accountnamen bei Twitter eingegeben habt, konntet ihr tausende Tweets lesen. Nach seinen Abschiedstweets, welche Bilder von Tabletten und von Bahngleisen enthielten, folgten verzweifelte Rettungsversuche aus unseren Reihen, es wurde abgetan als attention whoring, Frank wurde angefeindet dafür dass er nicht mehr leben will, oder dafür dass er es erst gesagt hat als es längst zu spät war.

In der Nacht auf Montag war es fast wie ein modernes Märchen. Es schien, als hätten jene beherzten Twitterer, die sofort reagiert haben und den Vorfall bei der Polizei meldeten, das Leben eines jungen Mannes retten können. Selten kommt es vor, dass Twitter ein „WIR“ formt, aber in dieser Nacht waren die Gedanken unzähliger User bei Frank. Doch es gab kein Happy End.

Ich hab das alles erst erfahren, als Frank bereits von den Gleisen geborgen worden war. Schwerstverletzt hieß es. Aber es las sich, als hätte er eine zweite Chance bekommen.

Hat er nicht. Frank ist gestorben. Frank hat sich umgebracht.

Ich hab höchstens vier Stunden meines Lebens damit verbracht, mit Frank zu reden, und zwar nur während besagter Podcastaufnahme. Und trotzdem werde ich noch lange daran denken, was hier geschehen ist. Mich fragen warum. Mich fragen ob man Franks Tweets der letzten Wochen hätte entnehmen müssen, dass er Hilfe braucht. Mich fragen warum so viele Menschen meinen, sich abfällig über das alles äußern zu müssen. Mich fragen, warum Menschen so anmaßend sind, beurteilen zu wollen, was er getan hat. Vor allem frage ich mich, ob er am Sonntag, als er aufgestanden ist, geahnt hat was er tun würde.

Ich werde nicht mehr erfahren was Frank für ein Mensch war. Absurd, denn ich hätte das wahrscheinlich auch nicht erfahren wenn er hätte weiterleben wollen. Jetzt höre ich mir den Podcast an, höre die Stimme eines jungen Mannes der seinem Leben vor nicht mal 48 Stunden selbst ein Ende gesetzt hat und komme nicht umhin, mich zu fragen ob man etwas düsteres in seiner Stimme erkennt. Ob er unglücklich klingt.

Ich kann es nicht hören. Nichts daran klingt nach Ende. Ich höre die Stimme von jemandem, der vielleicht ein wenig schüchtern ist, sympathisch und lustig aus der Versenkung heraus.

Keine Ahnung wieviele Tweets und Blogbeiträge über Frank ich inzwischen gelesen habe. So genau weiß ich auch nicht, warum ich jetzt das Bedürfnis verspüre, dem noch einen hinzuzufügen. Vielleicht ist es, weil wir Sprechwaisen hier einen kleinen Teil einer Person in Ton konserviert haben, die nicht mehr sprechen wird. Vielleicht weil sowohl Frank selbst als auch die User, die sich ins Zeug gelegt haben seinen Selbstmord zu verhindern, mich einmal mehr daran erinnern konnten, dass Menschen hinter den Accounts sitzen und es sich nicht nur um virtuelle Unterhaltungslieferanten handelt.

Für mich werden Franks letzte Worte diese sein: https://twitter.com/hyp3rfux/status/241976892884914176

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