Ich. Literarisch, emotional, echt.

Sein

Ja, man kennt das. Jeder sagt Sätze wie: „Das bin ich gar nicht“. Dann wenn er sich selbst überrascht hat. Wenn er was gemacht hat was er für untypisch hält. An sich selbst nicht mag oder womit er sich beeindruckt hat. „Das bin ich gar nicht“. Man ist. Entweder oder. Schwarz oder weiß. Man kann nicht introvertiert und extrovertiert sein. Schüchterne Rampensäue gibt es nicht. Sensibel und resolut. Auch was, das einem keiner abkauft. Man ist. Einmal ein Muster erkannt, schon steckt man fest in diesem Bild. Hat den Stempel auf der Stirn. Steckt in der Schublade. Aber dort ersticken doch all die anderen Facetten.

Ich bin zum Beispiel inkonsequent. Auf meiner Stirn steht „wider besseren Wissens“. Ich zieh nix durch, handele nicht nach dem was ich eigentlich weiß. Ich lasse mich auch viel zu schnell ablenken vom fleißig sein. Gebe Geld aus das ich nicht habe. Inkonsequent inkonsequent inkonsequent. Diese, und einige andere Flaggen hab ich mir selbst gehisst. Etiketten aufgestempelt. Regelrecht eintätowiert. Und mir damit keinen Gefallen getan. So schnell und einfach ruht man sich schließlich drauf aus. Ich kann’s eben nicht besser. Ich BIN halt so. Aber das ist völliger Quatsch!

So leicht will ich es mir nicht mehr machen. Ich bin so viel mehr als ich weiß. Und was ich alles sein kann widerspricht mit Sicherheit oft dem was ich zu sein glaube. Aber solange man einfach nur ist, kann man niemals so sein wie man gerne wäre.

Die Suche nach sich selbst, das habe ich immer für ein geflügeltes Wort gehalten. Aber tatsächlich ist sie eine verdammt spannende Reise, wenn man endlich mal den Mut hat hinzusehen. Man stolpert über sich, manchmal fällt man auf die Schnauze, aber hey – ab und zu ist man vielleicht auch ganz erstaunt darüber, dass man das, was man gerne wäre sogar in sich hat. Und wenn nicht, kann man es vielleicht noch werden. Muss aber nicht.

Es gibt nicht nur schwarz und weiß. Es gibt auch noch grau, und wenn man Glück hat, gibt es sogar schillernd und bunt. Wenn’s mal nur ne Seifenblase war, dann platzt sie halt. Aber so lange sollte man versuchen jede Farbe zu sehen.

Sein ist nicht starr, sein ist ein Prozess. Wir sind nicht nur, wir werden. Was wir waren können wir nicht mehr ändern. Aber wir können uns zur Abwechslung mal genauso genau beobachten wie wir das bei anderen tun und dabei sehr viel lernen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s